Mobile Beratung

 

Die Intention der mobilen Beratung besteht darin Sexarbeiterinnen zu erreichen, die „hinter verschlossenen Türen“, d.h. in Appartements, Massage-Parlours, Bordellen u.ä. beschäftigt sind. Einmal monatlich findet die Konsultation direkt an den Arbeitsorten der Frauen statt.

 

Durchgeführt werden die Gespräche momentan von zwei thaisprechenden AfW-Streetworkerinnen. Das Projekt richtet sich vorerst an thailändische Arbeiterinnen, wobei langfristig weitere Nationalitäten angesprochen werden sollen.

 

Bei den Beratungen vor Ort geht es darum, Informationen bereitzustellen, welche neben gesundheitlichen Themen weitere Bereiche abdecken, wie z.B. die Vermittlung eines Anwalts, der auf Familienrecht, Fragen zu Sozialversicherungen und Arbeitsbedingungen spezialisiert ist.

 

Ziel ist es auch langfristig den Frauen die Hemmschwelle zu nehmen zu einer Beratung in das Büro von Amnesty for Women e.V. zu kommen.

 

Hier ein paar Empfehlungen für Streetworker*innen aus dem Buch "Sieh das mal mit ihren Augen" von Prapairat Mix.

 

Was ihr tun solltet:

  • Bereitet euch gut vor, überlegt euch, was ihr fragen und worüber ihr reden möchtet, um unangebrachte oder anstößige Themen zu vermeiden
  • Führt eure Besuche oder Beratungen zwischen mittags und 16:00 Uhr durch, da es die beste Zeit dafür ist.
  • Ruft die Einrichtung vor eurem Besuch an, um sicherzugehen, dass ihr die richtige Adresse habt.
  • Recherchiert und entscheidet vorher eure Route zur Besuchsadresse.
  • Fragt vorher jemanden, falls ihr euch unsicher seid, wo ihr hin müsst, oder benutzt ein Navigationssystem.
  • Benutzt private Transportmittel, da sie praktischer sind und ihr mit ihnen mehr Wege abdecken könnt.
  • Lasst jemanden im Auto warten, wenn ihr eure Besuche macht. Die wartende Person sollte alarmbereit sein und keine Kopfhörer benutzen.
  • Bereitet Informationen über eure Organisation und das Angebot, das ihr zur Verfügung stellt, vor (z.B. in Form von Broschüren oder Flyern). Haltet diese Information von Anfang an bereit.
  • Packt neben Kondomen auch Gleitgel in eure Geschenkpäckchen. Einige Frauen benutzen Babyöl, ohne zu wissen, dass Kondome davon reißen können.
  • Organisiert einen Workshop zur richtigen Kondombenutzung, wenn eure Organisation eine*n Krankenpfleger*in beschäftigt oder Kontakte zu ihnen hat.
  • Besteht darauf, dass die Sexarbeiter*innen die Kondome zumindest für den Privatgebrauch mitnehmen, wenn sie behaupten, keine sexuellen Dienste anzubieten (z.B. in Massagesalons). Das soll das Schamgefühl reduzieren und sie dazu ermutigen, die Kondome anzunehmen.
  • Lernt, zwischen den Zeilen zu lesen. Wenn ein*e Sexarbeiter*in zu viel zu tun hat, um mit euch zu reden, dann sagt sie es vielleicht nicht direkt. Also seid flexibel genug, euren Besuch zu verschieben.
  • Kontaktiert die Sexarbeiter*innen und ladet sie zu Veranstaltungen in euer Büro ein. Das führt zu einem besseren Verhältnis und dazu, dass sie sich bei eurem nächsten Besuch leichter öffnen können.
  • Ermutigt die Sexarbeiter*innen dazu, zu einer privaten Beratung in euer Büro zu kommen. Das trägt dazu bei, dass die ihren Arbeitsplatz ab und zu verlassen. Einige Sexarbeiter*innen verweilen immer an ihrem Arbeitsplatz und sind dadurch isoliert.
  • Respektiert ihre Entscheidung, wenn sie euch nicht in ihr Arbeitsumfeld lassen oder gar nicht erst mit euch sprechen wollen. Sie haben ihre Gründe dafür.
  • Lasst eure Kontaktinformationen vor der Tür, wenn euch der Eintritt verwehrt wurde.